1. Erstvorstellung


Nun steht er an, Ihr erster Termin in unserem Endometriosezentrum. Vielleicht hatten Sie Glück und Ihre Ärztin oder Arzt hat Sie bereits früh darauf hingewiesen, dass Ihre Beschwerden in Zusammenhang mit Endometriose stehen könnten. Vielleicht erging es Ihnen aber auch wie vielen anderen Leidensgenossinnen und es kostete Sie Jahre und viele Arztbesuche bis das Wort Endometriose das erste Mal fiel.

 

Ziel des ersten Termins, der sogenannten Erstvorstellung, ist zu Allererst eine ausführliche Erhebung Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Um sich optimal auf den Besuch vorzubereiten, bitten wir Sie vorab unseren Anamnesebogen auszufüllen. Dies unterstützt Sie dabei entscheidende Tatsachen in der Aufregung des Arztgespräches nicht zu vergessen. Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt hilft es Ihre Beschwerden (Symptome) vollständig zu verstehen und zu dokumentieren. 
 

Im persönlichen Gespräch werden die Ergebnisse des Anamnesebogens mit Ihnen zusammengefasst und herausgearbeitet, welche Beschwerden bei Ihnen im Vordergrund stehen. Hierbei spielen nicht nur Ihre Schmerzen und Blutungsbeschwerden eine Rolle, sondern z.B. auch Verdauungsbeschwerden, ob Sie in naher Zukunft eine Familie gründen wollen und wie sehr Sie selbst oder vielleicht auch Ihre Partnerschaft durch Ihre Beschwerden belastet sind.
 

Mit Ihrem Einverständnis wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine ausführliche körperliche Untersuchung anschließen. Vieles kennen Sie sicher schon von Ihren regelmäßigen Untersuchungen beim Frauenarzt. Nichtsdestotrotz ist eine Untersuchung bei Verdacht auf Endometriose noch ein wenig ausführlicher:

Zu Beginn wird eine sogenannte Spiegeleinstellung (Spekulumuntersuchung) durchgeführt. Hierbei ist es möglich das gesamte äußere Genitale (Vulva) und die Scheide (Vagina) zu inspizieren. Besonders der Muttermund (Portio) und das hintere Scheidengewölbe müssen gründlich angesehen werden, da hierbei möglicherweise bereits Endometrioseherde erkannt werden können. 
 
Als nächstes wird eine Tastuntersuchung durchgeführt. Hierbei führt die Ärztin oder der Arzt ein oder nacheinander zwei Finger in die Scheide ein. Endometrioseherde am Muttermund oder zwischen Scheide und Enddarm, die als schmerzhafte Verhärtungen oder Knötchen getastet werden können, fallen oft schon hierbei auf. Man kann außerdem über das zusätzliche Tasten mit der anderen Hand über die Bauchdecke (bimanuelle Tastuntersuchung) Lage und Beweglichkeit der Gebärmutter und möglicherweise Zysten am Eierstock ertasten. Ob Ihre Beckenbodenmuskulatur aufgrund Ihrer Beschwerden bereits stark angespannt ist, kann man ebenfalls beurteilen. Zum Abschluss der Tastuntersuchung wird außerdem ein Finger in den Enddarm eingeführt (rektale Untersuchung), während ein weiterer Finger in der Scheide bleibt. Dies ist besonders wichtig, um mögliche Endometrioseherde mit Darmbeteiligung zu ertasten. Diese bleiben leider immer noch häufig unerkannt, weswegen wir großen Wert auf diesen Teil der Untersuchung legen. Auch wenn sich eine rektale Untersuchung erst einmal peinlich oder unangenehm anhört - Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen dabei helfen sich zu entspannen und Sie werden sehen, dass dieser Teil der Untersuchung längst nicht so unangenehm ist, wie gedacht.
 
Der Tastuntersuchung schließt sich eine Ultraschalluntersuchung an. Aufgrund der deutlich besseren Beurteilbarkeit sollte der Ultraschallkopf über die Scheide eingeführt werden (transvaginal). Jeder Untersuchende hat hierbei ein eigenes Schema, welches dabei hilft alle Organe der Reihe nach zu beurteilen und keines zu vergessen. Ein Blick auf die Harnblase lässt bereits einen Schluss zu, ob diese von Endometriose befallen ist. Es sollte außerdem in jedem Falle beurteilt werden, ob zwischen Scheide und Enddarm Endometrioseherde zu sehen sind oder ob ansonsten Hinweise für eine Darmbeteiligung vorliegen. Es sollte beurteilt werden, ob die Gebärmutter zu Blase und Darm verschieblich ist oder ob es bereits Hinweise auf Verwachsungen gibt. Der oder die Untersuchende wird sich außerdem die Gebärmutter selbst gründlich ansehen – oft kann man durch den Ultraschall eine Endometriose der Gebärmutter (Adenomyose oder Adenomyosis uteri) feststellen. Auch die Eierstöcke werden gründlich inspiziert. Sollten sich in diesem Bereich sogenannte Endometriome (Endometriose-Zysten am Eierstock) befinden, kann man das mit dem Ultraschall gut erkennen. Wenn Sie sich schon ein bisschen mit Endometriose auseinandergesetzt haben, wissen Sie vielleicht bereits, dass sich Endometrioseherde häufig auf dem Bauchfell (Peritoneum) befinden. Diese Herde kann man im Ultraschall in der Regel nicht erkennen. Alle weiteren typischen Lokalisationen lassen sich dagegen mit dem Ultraschall beurteilen. 
 
Immer häufiger finden vor allem auch sehr junge Frauen den Weg zu uns in die Sprechstunde. Wenn Sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, ist ein transvaginaler Ultraschall oft nicht möglich. 
 
Viele Ärzte machen dann einen sogenannten Bauchultraschall. Mit dieser Methode ist aber eine Beurteilung der Organe wie oben beschrieben nur schwer möglich. Daher empfehlen wir in diesem Fall einen Ultraschall vom Darm aus an. Das hört sich zunächst einmal unangenehm an (das ist uns bewusst), aber man kann hiermit die Organe ähnlich gut beurteilen, wie bei einem Ultraschall von der Scheide aus. 
 
Eventuell wird im Anschluss an die transvaginale Untersuchung noch ein Schall der Nieren durchgeführt. Sollten sich bei der vorangegangenen Untersuchung Hinweise auf tief infiltrierende Endometriose mit Beteiligung der Harnleiter ergeben haben, muss ihre Ärztin oder Ihr Arzt ausschließen, dass bereits ein Harnstau vorliegt. Ein Harnstau macht zu Beginn keine Beschwerden und so kann er unbemerkt voranschreiten bis die Niere womöglich nicht mehr richtig funktioniert. Zum Glück ist das bei Endometriose selten der Fall.
 
Nach erfolgtem Anamnesegespräch und der Untersuchung werden die erhobenen Befunde zusammengefasst und erörtert, wie wahrscheinlich die Diagnose Endometriose ist. Um die Diagnose Endometriose zu stellen, ist aus unserer Sicht keine beweisende Operation mit feingeweblicher Untersuchung nötig. Eine geübte Ärztin oder ein geübter Arzt können die Diagnose auch aufgrund der Anamnese und Untersuchungsbefunde mit hoher Sicherheit stellen. 
 
Spätestens nach erfolgter Diagnose ist dann die Zeit gekommen zu erklären was Endometriose überhaupt ist, wie sie entsteht, welche Therapieoptionen bestehen und welche Schritte zum aktuellen Zeitpunkt für Sie sinnvoll sind. Dies hängt nämlich maßgeblich von Ihren Beschwerden, Ihrem Untersuchungsbefund und Ihrer aktuellen Lebenssituation ab. Gemeinsam mit Ihrem Arzt werden Sie dann am Ende Ihres Erstvorstellungs-Termins einen Behandlungsplan festlegen, der Ihren Bedürfnissen und Ihrer individuellen Situation gerecht wird.
 
Endometriose ist eine chronische Erkrankung und obwohl wir mittlerweile viel tun können, um Beschwerden zu lindern oder sogar zu beseitigen, können wir sie (noch) nicht heilen. Das heißt, dass Endometriose Sie wahrscheinlich so lange begleiten wird, solange Sie ihre Monatsblutungen haben. Außerdem wird jeder Therapieschritt Ihre Mitarbeit erfordern – egal, ob Sie regelmäßig ein Hormonpräparat einnehmen, eine Operation geplant wird und/oder Sie mit Hilfe eines multimodalen Schmerztherapiekonzeptes der Endometriose begegnen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich gut mit dieser Erkrankung auskennen. Medu möchte Ihnen auf diesem Weg helfen und Ihnen einerseits anhand des Behandlungsplanes auf Ihrem persönlichen Weg die nächsten Schritte erklären und andererseits anhand des Ratgebers generelle Fragen beantworten und aufklären. 
 
Unser Tipp: Schreiben Sie jetzt schon alle Fragen auf!