2. Weitere Diagnostik


Manchmal sind weitere diagnostische Maßnahmen sinnvoll um die Ausbreitung der Endometriose noch genauer einschätzen und das weitere Procedere zuverlässig planen zu können.

 
Dazu können folgende Untersuchungen gehören:
 
  • Sigmoidoskopie mit Endosonographie (Enddarmuntersuchung)
 
Dies ist eine spezielle Art der Darmspiegelung, bei der ein flexibler Schlauch mit einem speziellen Ultraschallkopf an der Spitze in den Darm eingeführt wird um die Wandschichten des Darms hinsichtlich des Einwachsens einer Endometriose beurteilen zu können. Mit der kombinierten Enddarmspiegelung, bei der man mittels im Schlauch integrierter Kamera auch die innerste Schicht der Darmwand beurteilen kann, können auch eventuellen Engstellen beurteilt werden.
 
  • Koloskopie (komplette Dickdarmspiegelung)
 
Bei einer klassischen Darmspiegelung, der Koloskopie, wird ebenfalls ein flexibler Schlauch in den Darm eingeführt. Dieser hat im Gegensatz zur Endosonographie eine integrierte Kamera und kann daher nur die Darmschleimhaut, also die innerste Schicht des Darms von innen beurteilen. Ein Einwachsen der Endometriose bis in das Innere des Darms ist aber sehr selten und kann meist nur während der Blutung entdeckt werden. Diese Untersuchung alleine ist daher selten hilfreich für die Diagnose einer Endometriose. In Einzelfällen ist sie dennoch sinnvoll um hochgelegene Darmabschnitte und eventuelle durch Endometrioseherde verursachte Engstellen entdecken zu können. 
 
Neueste Geräte besitzen ein Endoskop mit integrierter Kamera und Ultraschallkopf, sodass man die Endosonographie und Koloskopie kombinieren kann. Alle Untersuchungen sind selbstverständlich nicht gefährlich und helfen uns sehr Ihre Erkrankung besser zu verstehen.
 
  • Nierenszintigraphie
 
Mit einer Nierenszintigraphie kann die Funktionsfähigkeit beider Nieren abgeklärt werden. Dies ist zu erwägen, wenn sich in der Ultraschalluntersuchung ein Nierenstau dargestellt hat. Dabei ist im Gegensatz zu den Blutuntersuchungen eine seitengetrennte Analyse der Nierenfunktion möglich. Für eine Nierenszintigraphie muss man nicht nüchtern sein, man sollte sogar insbesondere auf eine ausreichend Flüssigkeitsaufnahme achten. Hier eignet sich Wasser am besten. Während Sie auf einer Liege für mind. 30 min ruhig liegen, wird Ihnen über eine Flexüle (Venenverweilkatheter) eine leicht radioaktive Substanz appliziert, welche sich zunächst im Körper verteilt und dann über die Nieren ausgeschieden wird. Eine spezielle Kamera nimmt nun über mindestens 30 Minuten Bilder von Ihnen auf und kann so den Weg der radioaktiven Substanz in Ihrem Körper nachvollziehen und die über die Nieren ausgeschiedene Menge analysieren. Die Untersuchung ist mit einer geringen Strahlenexposition verbunden, die etwa einem Drittel der jährlichen natürlichen Strahlenexposition in Deutschland entspricht. Die Strahlenbelastung kann durch Entleerung der Blase nach der Untersuchung weiter reduziert werden. 
 
  • Zystoskopie
 
Bei Verdacht auf Blasenendometriose kann eine Blasenspiegelung durch einen Urologen oder manchmal auch Gynäkologen durchgeführt werden. Dabei kann die Oberfläche der Blasenwand von innen beurteilt werden, jedoch nicht durch die verschiedenen Schichten der Blasenwand geschaut werden. Bei Vorwölbung der Blasenwand nach innen durch das Vordringen von Endometriose in die Wand kann zur Sicherung der Diagnose ggf. eine Gewebeprobe entnommen werden. Eine Entfernung der Endometriose durch die Blase ist jedoch nicht sinnvoll, da die Endometriose durch diesen Zugang nicht vollständig entfernt werden kann. Eine Blasenspiegelung wird auch durchgeführt, wenn die Harnleiter geschient werden müssen. Dies ist zum Beispiel sowohl bei einem Harnleiter- oder Nierenstau unter gewissen Umständen sinnvoll, als auch vor ausgedehnten Operationen im Bereich der Harnleiter. 
 
  • MRT
 
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eine Schnittbildgebung ohne Rönt¬gen- oder ra¬dio¬ak¬ti¬ve Strah¬len. Mithilfe eines star¬ken Ma¬gnet¬feldes und Ra¬dio¬wel¬len können so sehr genaue Bilder des Körperinneren erstellt werden. Innerhalb des Beckens besteht kein zusätzlicher Nutzen der MRT zum transvaginalen Ultraschall in der Hand eines Geübten. Außerhalb des Beckens ist die MRT jedoch allen anderen nicht invasiven Untersuchungen überlegen, sodass bei Verdacht auf atypische oder sehr ausgeprägte Endometriose eine MRT zur besseren Therapie- und Operationsplanung in Erwägung gezogen werden sollte. 
 
Eine Computertomographie spielt in der Diagnostik der Endometriose keine Rolle.  
 
  • Vorstellung Kinderwunschzentrum
 
Wenn Sie bereits länger als ein Jahr erfolglos versuchen schwanger zu werden, sollten Sie sich gemeinsam mit Ihrem Partner in einem Kinderwunschzentrum vorstellen. Dort werden zunächst weitere Untersuchungen Ihrer Hormone als auch Untersuchungen Ihres Partners durchgeführt (z.B. Überprüfung der Samenqualität (Spermiogramm). Ein gemeinsamer Fahrplan und Absprachen mit Ihnen zwischen Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und Ihrem Kinderwunschzentrum sind unabdingbar. Eine Operation zum Ausschluss einer Endometriose sollte z.B. erst durchgeführt werden, wenn männliche Ursachen der Sterilität ausgeschlossen worden.  
 
  • Gegebenenfalls andere Disziplinen (Gastroenterologie, Allgemeinchirurgie, HNO, …)
 
Je nach Beschwerden ist es ggf. sinnvoll weitere Fachrichtungen in die Diagnostik einzubeziehen. Unter gewissen Umständen kann es z.B. sinnvoll sein Nahrungsunverträglichkeiten oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen auszuschließen bevor weitere diagnostische oder therapeutische Schritte eingeleitet werden.